Manchmal passieren Dinge, die man so nicht erwartet hat. Dass uns zum Beispiel eine steinerne Brücke in einer fränkischen Kleinstadt zu Tränen rühren würde — okay, fast. Aber der Reihe nach.
Halle 6, Stand 6F31. Keine blinkenden LED-Wände, keine Hostessen, kein High-Tech-Schnickschnack. Nur ein 53 Jahre alter Porsche in leuchtendem Zambezigrün, ein Roll-up, zwei Stühle und ein kleiner Tisch.
Dazwischen wir: Iulia Bostan von meistro GmbH, Steff Neukam, CEO der Stiftung meistro und Stephan Raif. Unser Plan für die i-Mobility 2026 war ein Experiment: Kann ein Oldtimer von 1973 die besseren Gespräche über die Mobilität der Zukunft führen als die neuesten Modelle von Tesla oder KIA?
Die Antwort: Er kann.
Der grüne Magnet im Meer der Neuwagen
In einer Halle voller hochmoderner Elektro-SUVs wirkte unser Porsche 914E wie ein Gast aus einer anderen Welt und genau das war er auch. Er war der absolute Hingucker. Die Menschen blieben stehen, rieben sich die Augen und man sah ihnen die Überraschung förmlich an.
Oft hörten wir Sätze wie: „Dieses Auto hätte ich hier am wenigsten erwartet!“ oder (mein persönlicher Favorit) „Das hier ist das einzige richtige Auto auf der ganzen Messe. Endlich echtes Design und diese fantastische Farbe!“
Das Kuriose dabei: Viele waren vom Gesamtkunstwerk so hingerissen, dass sie das E-Kennzeichen zunächst völlig übersahen. Wenn wir dann erklärten, dass unter dieser 70er-Jahre-Hülle ein Tesla-Motor und Batteriemodule aus dem Porsche Taycan stecken, war das Staunen perfekt.
Iulia Bostan (meistro GmbH), Stephan Raif (Stiftung meistro)
Das Muster der Begeisterung
Hunderte Gespräche folgten fast immer demselben Drehbuch:
1. Erstaunen über die Form und den Zustand des Wagens.
2. Ein neugieriger Blick ins Innere.
3. Die Frage: „Wo ist denn hier der Motor?“
4. Das große Rätselraten, warum er weder vorne noch hinten, sondern als echter Mittelmotorsportler im Zentrum sitzt.
5. Die Technik-Deep-Dives zum Elektroantrieb
6. und natürlich die Frage nach dem „Warum“.
Provokation als Brückenbauer
Genau bei diesem „Warum“ kamen wir zu unserem eigentlichen Ziel: dem Umwelt- und Naturschutz. Wir haben den 914E als bewusste Provokation gebaut. Wir wollten mit den sogenannten „Petrolheads“, den eingefleischten Verbrenner-Fans, ins Gespräch kommen.
Und das Experiment gelang: Wir spürten kaum Ablehnung. In vier Tagen gab es lediglich zwei Besucher, die das Konzept von vornherein ablehnten. Selbst sie blieben lange am Stand und löcherten uns mit Fragen. Das Interesse ist riesig. Auch wenn viele ihren eigenen Oldtimer (noch) nicht umbauen würden, sehen sie im 914E eine echte Perspektive für den Erhalt klassischer Fahrzeuge in einer emissionsfreien Welt.
Hoher Besuch: Minister Hermann im Interview
Ein besonderes Highlight war der Besuch des baden-württembergischen Verkehrsministers Winfried Hermann. Er kam nicht allein, sondern mit einer Entourage von etwa 30 Personen. Ausgestattet mit Mikrofonen und Kopfhörern für die ganze Gruppe, führten wir ein intensives Interview direkt am Fahrzeug.
Es war eine fantastische Gelegenheit, einem breiten Fachpublikum zu erklären, wie die Stiftung meistro Tradition und Transformation verknüpft. Dass der Minister sich so viel Zeit nahm, zeigt, welche Relevanz das Thema „Retrofit“ und nachhaltige Mobilität heute hat.
Die Quintessenz: Mehr Dialog als bei 10 Rallyes
Nach vier Tagen in Stuttgart ziehen wir ein zufriedenes Fazit. Dieser erste Messeauftritt war ein voller Erfolg. Wir haben an diesem einen Wochenende mit mehr Menschen über die Werte unserer Stiftung und die Zukunft der E-Mobilität diskutiert als bei zehn Oldtimer-Rallyes zusammen.
Der 914E hat bewiesen, dass er Kommunikationswunder ist. Er öffnet Herzen und Türen für Themen, die uns alle angehen.
Die Saison hat gerade erst begonnen. Wir freuen uns auf alles, was noch kommt!
Erinnerst Du Dich an unseren letzten Beitrag? Er endete mit Stille, Schock und einem deformierten Vorderwagen. Wir waren sprachlos.
Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke!
Es war eine Zeit des Bangens. Würde unser elektrischer Klassiker, dieses absolute Einzelstück, das wir so ins Herz geschlossen haben, noch eine Zukunft haben? Heute können wir mit Erleichterung und Stolz sagen: Ja. Und was für eine.
Operation am offenen Herzen
Um unseren „Patienten“ zu retten, reichte es nicht, ein paar Beulen auszudrücken. Es war eine echte Operation am offenen Herzen, durchgeführt von den Spezialisten bei CGM Classic German Motors unter der Leitung von Natascha Lührmann.
Um zu verstehen, was in den letzten Wochen passiert ist, muss man sich vor Augen führen, dass man für einen 914er keine Karosserieteile im Online-Shop um die Ecke bestellt. Die Lösung war so radikal wie notwendig: Unser 914E hat ein „Spenderorgan“ bekommen
Eigentlich sollte an dieser Stelle der aktuelle Blog-Artikel über alle heuer anstehenden Termine mit unserm elektrifizierten VW-Porsche stehen. Geschrieben ist er und in den Entwürfen gespeichert. Doch wie so oft im Leben kommt´s erstens anders und zweitens als gedacht.
Jetzt haben wir leider ein echtes Sorgenkind: Unser 914E ist momentan nicht in bester Verfassung. Eine kleine Unachtsamkeit eines Kollegen hatte eine verheerende Wirkung für das Auto und unsere diesjährige Planung. Wir hoffen, sie ist nur aufgeschoben und nicht komplett abgesagt.
Aber schau selbst – so sieht unser Schmuckstück momentan aus:
Der ganze Vorderwagen ist beschädigt. Vor allem die seltene Chromstoßstange, der Kofferraumdeckel (Motor ist hinter dem Fahrersitz) und ganz bitter – die Klappscheinwerfer.Außerdem hat das Batteriegehäuse, das sich im Kofferraum befindet, auch einen Schlag bekommen. Ob auch die Batteriezellen beschädigt sind, wissen wir noch nicht.
Oldtimer stehen vor einem Paradigmenwechsel, der die Liebhaber klassischer Automobile vor neue Herausforderungen stellt. Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein nehmen an Bedeutung zu. Besitzer historischer Fahrzeuge sind mit steigenden Betriebskosten, aufwendigen Reparaturen und einer schwindenden Expertise für die Instandhaltung konfrontiert. Zudem droht die Gefahr, dass die Begeisterung für diese automobilen Zeitzeugen in der jüngeren Generation verblasst.
In diesem Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation haben wir es 2023 gewagt: Mit der Elektrifizierung eines Porsche 914 haben wir nicht nur ein technisches Experiment gewagt, sondern auch eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft geschlagen. Seit Anfang 2024 präsentiert die Stiftung meistro dieses Fahrzeug auf Oldtimerrallyes und Veranstaltungen, wo die Diskussionen über die Zukunftsfähigkeit klassischer Automobile anregt. „Elektrifizierung adelt Klassiker: Wie der Porsche 914E die Oldtimer-Szene aufmischt“ weiterlesen
Ein leises Surren statt des gewohnten Boxerklangs. Der Porsche 914E, ein Elektro-Oldtimer, rollt in die Werkstatt. Nach einer intensiven Saison steht nun die Wartung an. Doch wie pflegt man einen Klassiker mit Zukunftstechnologie?
Ein Jahr voller Abenteuer
Unser 914E hat im vergangenen Jahr viel erlebt: Rallyes, Ausstellungen, Probefahrten – der Elektro-Porsche war stets im Einsatz. Als Blickfang auf zahlreichen Veranstaltungen zog er die Aufmerksamkeit auf sich. Interessenten durften das einzigartige Fahrgefühl bei Probefahrten erleben. Doch nun zeigen sich die Spuren der intensiven Nutzung. Eine gründliche Wartung ist unerlässlich, um für die kommende Saison gerüstet zu sein.
Die logistische Herausforderung
Die erste Hürde ist bereits die Logistik. Das Spezialisten-Team, das den Umbau durchführte, sitzt 600 Kilometer entfernt. Eine schnelle Wartung vor Ort ist somit ausgeschlossen.
Wer selber einen Oldtimer hat, leidet in der Zeit, in der das Auto abgemeldet und trocken in einer Garage überwintert. So wie wir.
Doch auch diese Zeit ist wichtig für das Auto. Wir werden unserem Porsche 914E eine umfangreiche Wartung gönnen. Denn wir haben den Kleinen in dieser Saison hart dran genommen: Baden Classic, New Mobility, Schauinsland Classic, 10 Seen Classic … um nur ein paar der Einsätze zu nennen.
Also werden wir Akku, E-Motor und die Elektronik überprüfen lassen. Die Bremsen werden nachgestellt und wir werden ein paar weitere Wartungen erledigen. Vom USB-Anschluss fürs Smartphone bis hin zum Tacho, der schneller anzeigt als das Auto fährt.
50 Mio. Kontakte hat die Stiftung meistro 2024 in etwa geschafft. Ein Drittel davon machte unser automobiler Botschafter aus, mit dem wir von April bis Oktober auf Reisen waren: ca. 17 Mio (bei 50 TKP online und offline).
By the way – hätten all diese Kontakte als Medialeistung bezahlen müssen, würde das die Stiftung 1 Mio. EUR kosten. Eine gute Öffentlichkeitsarbeit lohnt sich also, wenn man etwas zu sagen hat.
Wo immer es organisatorisch möglich war, stand der grüne Oldie am Start und sorgte für Aufsehen. Der Satz „Hä? Ich höre nix vom Boxermotor“ war oft das Intro zu einem interessanten Dialog.
Dem stellten wir uns mutig, denn nicht alle konnten das nachvollziehen: einen seltenen Oldtimer auf E-Auto umzubauen. Damit verlor er das Historien-Kennzeichen und gewann es Elektro-Kennzeichen. Sehr viel mehr ist übrigens äußerlich vom Original nicht zu unterscheiden.
Spannend war, dass selbst die größten Kritiker genau wissen wollten, was wir warum gemacht haben. Vielleicht auch deshalb, weil das eventuell eine Möglichkeit für die Zukunft sein könnte, einen Oldtimer noch fahren zu dürfen. Nach den Gesprächen gab es mehr Verständnis und teilweise sogar Zustimmung. Auch interessant war, dass es in München während einer Oldtimerrallye die meiste Zustimmung gab. Gerade da hätte ich das nicht erwartet.
Der 13. Oktober war der krönende Abschluss unserer Rallye-Saison, die wir mit dem 914E gefahren sind. Wir waren häufig im Einsatz und haben an mehreren Oldtimer-Rallyes, Ausfahrten und Veranstaltungen teilgenommen.
Es lief immer gut, auch wenn wir bei weiten Strecken (über 240 km Tagesstrecke) Zeit durch Nachladen verloren haben. Oft schafften wir es „in einem Rutsch“ bis ans Ziel und waren von unserer Restreichweite meist über 20 %.
Wer ein Ass schlägt, ist ein Glückspilz – oder Könner seines Fachs. Letzteres trifft auf die STIFTUNG meistro zu, die am 26. September 2024 bereits zum zweiten Mal ein Charity-Golfturnier in Ingolstadt veranstaltete.
Mit dabei – der Porsche 914E als kleine Attraktion. Er stand gemeinsam mit anderen E-Fahrzeugen auf dem Vorplatz des Clubhauses – bereit für Interessiere zu einer Probefahrt.
Die fand auch oft statt. Mal fuhren die Teilnehmer, mal fuhr ich. Doch eines war am Ende immer gleich: Unsere Gäste stiegen alle mit einem breiten Grinsen aus dem Oldtimer.